Messeveranstalter Harald Lambrü kann mit der Entwicklung der Forst-Live in Offenburg zufrieden sein. Mit 200 Ausstellern auf der 10. Ausgabe vom 11.-13. April konnte er wieder Waldbesitzern, Brennholzherstellern und Forstunternehmern im Nebenerwerb ein breites Spektrum an Forsttechnik bieten. Insgesamt kamen 18.000 Besucher auf die Messe für Forstwirtschaft und Holzenergie.
Für Profis hat die Forst-Live inzwischen einen hohen Stellenwert, wenn es um Großhacker zur Hackschnitzelproduktion geht. Mit Komptech und Doppstadt waren auf der Forst-Live zwei Aussteller erstmals vertreten. Auch brachten sie mit dem Exakthacker DH 608 (Doppstadt) und dem Chippo 500 (Komptech) gleich zwei Neuheiten mit auf die Messe. Neben den beiden Neulingen waren die Hersteller von Trommelhackern fast geschlossen vertreten. Jenz zeigte den HEM 561 in Trailer-Version, Eschlböck den Biber 80 mit Vorspalter "Spaltbiber" für Starkholz und Forsttechnik Lochner den Musmax Terminator 10. Die Mittelklasse deckte Heizohack ab. Ebenfalls für Traktoren mit wenig PS eignet sich der Trommelhacker von Hama/Weiss mit seinem patentierten Rotor. Leider nur Bildtafeln konnte Siegfried Bernhard vom Stark-Trommelhacker aufstellen. Der Hersteller hatte die Maschine zum Bedauern von Siegfried Bernhard nicht rechtzeitig vor der Messe fertig gestellt. Messeorganisator Lambrü fehlen bei den Mobilhackern nur noch wenige Unternehmen wie AHWI, Rudnick & Enners, Bruks oder OBMTec/Morbark, um in diesem Segment die volle Bandbreite zeigen zu können. Gegenüber dem Vorjahr war der niederländische Maschinenbauer Wellink leider nicht mehr vertreten. Der Forwarder-Aufbau "Press-Collector" für den Transport von Ästen und Gipfelstücken hätte gut zu den Großhackern gepasst. Die Trommelhacker sind immer besser auf Astmaterial ausgelegt. Auf der Messe war kein Exemplar mehr ohne Einzugsbänder oder -ketten zu sehen. "Die Möglichkeit schlechtes Material zu hacken ist heute ein Muss", erinnert Siegfried Bernhard an den Kampf der Holzindustrie ums Rundholz. Die Leistungsfähigkeit der von Traktoren über Zapfwelle angetriebenen Trommelhacker macht deutlich, dass sich die Produktion von Waldhackschnitzeln immer mehr vor den Wald verlagern wird. Lösungen für den Transport von Rohmaterial zum Hackplatz für die optimale Auslastung der Maschinen sind deshalb gefragt.
300 PS-Schlepper + Zapfwelle + Trommelhacker = 160 srm/h
Den stärksten Zuwachs hatten in den vergangenen zwei Jahren Großhacker mit Zapfwellenantrieb. Weniger Forstunternehmer als landwirtschaftliche Lohnunternehmer haben in die Waldhackschnitzel Produktion investiert. "Der große Traktor ist bereits für die landwirtschaftlichen Arbeiten vorhanden", begründet Walter Ries, Pezzolato Deutschland den bisherigen Kundenkreis. Bei einem Rundgang über die Forst-Live konnte man ohnehin den Eindruck gewinnen, die Claas Xerion Baureihe (330-379 PS) mit ihrer charakteristischen Drehkabine sei inzwischen das Standardmodell der Branche.
Obwohl die landwirtschaftlichen Lohnunternehmer die Hackschnitzelproduktion oft zu sehr günstigen Preisen anbieten, sieht man bei Komptech und Jenz auch Möglichkeiten für Forstunternehmer oder komplette Neueinsteiger. Besonders in den Sommermonaten, wenn wegen Borkenkäfern aus Forstschutzgrünen gehackt werden muss, sind landwirtschaftliche Lohnunternehmer nicht greifbar. "Vielen Landwirten fehlt die Logistikkette", spielt Erich Cordie, stellvertretender Vertriebsleiter für Mobiltechnik bei Komptech ebenfalls auf den Transport vom Wald zum Hackplatz und den Abtransport der Hackschnitzel an. Er favorisiert einen Hackplatz außerhalb des Waldes, der von einem normalen Straßen-LKW mit Walking Floor angefahren werden kann. Mit dem Transport vom Wald zum Hackplatz sei zwar eine Transportstufe mehr vorhanden: "Die Kapazität von 150-160 srm/h des Chippo 500 kann aber deutlich besser ausgelastet werden, wenn genügend Material an einem Platz konzentriert ist."
Neuheit: Pezzolato Trommelhacker PTH
Zwar nicht neu auf der Forst-Live aber mit einer Fülle an Scheibenhackern sowie einem Trommelhacker kam Pezzolato Deutschland nach Offenburg. "Wir werden die Vermarktung der Trommelhacker forcieren", kündigte Geschäftsführer Walter Ries mit Blick auf den ausgestellten PTH 700/660 an. Die von einer Zapfwelle angetriebene Maschine benötigt einen Traktor mit Minimum 120 PS, ideal sind 150-200 PS. Ab Mai wird die Maschine auf Vorführtour in Deutschland sein. Zur KWF-Tagung in Schmallenberg im Juni soll auch die von einem LKW angetriebene Version fertig gestellt sein. "Wir haben keine Angst", ist sich Ries der bereits etablierten Konkurrenz bewusst. Er verweist auf die Vorteile der PTH-Baureihe: die Volltrommel mit zwei Messern sorgt für gleichmäßiges Hackgut, auf die Siebeinsätze kann teilweise verzichtet werden. Die Produktionskapazität liegt bei 40-50 srm/h. Für Ries eine ideale Größe, um nicht l Schwierigkeiten bei der Transportlogistik zu bekommen: "Großhacker blasen die Container oft zu schnell voll."
Bei den Scheibenhackern zeigte Pezzolato den handbeschickten H880/250 Scheibenhacker im Einsatz. Angetrieben von einem 122 PS starken ClaasTraktor sieht Ries das Modell als ideal für "die Eigenversorgung einen Landwirts plus Nachbarn mit Hackschnitzel."
Neuheit: Komptech Chippo 500
Der Chippo 500 fällt durch seine zwei Austragsvarianten – Band oder Gebläse – auf. "Beim Band entsteht weniger Feinanteil und es braucht weniger Energie", nennt Cordie die Vorteile. Von Mitbewerbern hebe man sich auch durch die integrierte Schleifeinheit, die stehen Einzugswalzen für eine bessere Komprimierung von Astmaterial sowie durch eine kleinere untere Horizontalwalze aus, die das Holz bis zum Schluss gut festhalte. Um Schäden durch Steine oder Metall zu verhindern sind die 12 Messer mit Sollbruchstellen versehen. Im Falle eines Falles schiebt es die Messerin die Trommel. Die Gegenschneide ist hydraulisch abgesichert und federt zurück. Bislang sind drei Exemplare des Chippo 500 verkauft.
Europaweit statt regional – Doppstadt DH 608
Zapfwellen- oder Eigenantrieb? Bei Doppstadt setzt man auf den Eigenantrieb. Vor fünf Jahren ist das Unternehmen das Geschäft mit Hackschnitzeln eingestiegen. Auf der Forst-Live präsentierte man den Exakthacker DH 608. Die 490 PS des Eigenantriebs liegen weit üben den stärksten Traktoren. Entsprechend kann Holz bis 60 cm Durchmesser gehackt werden. Für die Beschickung kann wie auf der Messe zu sehen der Kran des Zugfahrzeugs oder ein Bagger genutzt werden. Ziel bei Doppstadt ist es, jährlich 15 Stück des DH 608 zu bauen.
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